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Peptide · 8 Min. Lesezeit · von T.J.

GHRP-2 — das Wachstumshormon-Sekretagogum in der Forschung

Nüchterne Übersicht der Forschung zu GHRP-2: ein synthetischer Ghrelin-Nachahmer, der Wachstumshormon freisetzt, aber auch Cortisol, Prolaktin und Appetit steigert. Was beim Menschen wirklich gezeigt wurde.

GHRP-2 ist ein synthetisches Peptid (eine kurze Kette aus Aminosäuren) aus der Familie der „Wachstumshormon-freisetzenden Peptide“, die in den 1980er- und 1990er-Jahren vom Team um Cyril Bowers an der Tulane University entwickelt wurde. Es wirkt als Nachahmer von Ghrelin — dem Hungerhormon aus dem Magen — und veranlasst die Hypophyse, Wachstumshormon (kurz GH) freizusetzen. Anders als die meisten „Forschungspeptide“ hat GHRP-2 eine beachtliche Menge an Humandaten: Es wurde gesunden Freiwilligen, Kindern mit GH-Mangel und Patienten in Japan verabreicht, wo es unter dem Namen Pralmorelin als diagnostischer Test validiert wurde. Die Evidenz beschreibt jedoch überwiegend, was in den wenigen Stunden nach einer Dosis mit den Hormonen geschieht, nicht ob eine Langzeitanwendung irgendjemandem einen dauerhaften Nutzen bringt. Im Folgenden erklären wir in verständlichen Worten, was wirklich bekannt ist — einschließlich der unbequemen Befunde: Anstiege von Cortisol, Prolaktin und Appetit.

Was GHRP-2 ist

Die GHRP-Familie begann mit GHRP-6, dem ersten Hexapeptid, das selektiv Wachstumshormon freisetzte. Es folgten GHRP-1 und GHRP-2. Laut Bowers' Übersicht von 1993 waren damals alle drei bereits Menschen verabreicht worden, und jedes weitere setzte GH wirksamer frei als das vorherige; alle wirkten stärker als das natürliche GH-freisetzende Hormon (GHRH) und waren — damals überraschend — auch nach oraler Gabe aktiv. In Japan wurde GHRP-2 unter dem Code KP-102 und dem Namen Pralmorelin entwickelt.

Wie es wirkt — der Ghrelin-Schalter

GHRP-2 ist ein Agonist (ein „Aktivator“) des Ghrelin-Rezeptors — eines Schalters auf Zellen, der beim Menschen natürlicherweise vom Hormon Ghrelin umgelegt wird. Ghrelin tut zwei Dinge: Es stimuliert die Wachstumshormonsekretion und schaltet den Appetit ein. GHRP-2 ahmt beides nach. Es wirkt sowohl in der Hypophyse (der kleinen Drüse unter dem Gehirn, die GH ausschüttet) als auch im Hypothalamus (dem Teil des Gehirns, der die Hypophyse steuert). Das Ergebnis ist ein kurzer, starker GH-Puls — in Humanstudien größer als nach GHRH allein und nach einer höheren Dosis größer als nach einer niedrigeren (Arvat et al., 1997). Derselbe Schalter sitzt jedoch auch in den Hungerzentren und im Stresssystem, und daher stammen die unten beschriebenen Effekte.

Struktur und Herkunft

GHRP-2 ist ein sehr kurzes Peptid: eine Handvoll Aminosäuren, einige davon in der unnatürlichen, „spiegelbildlichen“ D-Form, und eine — Naphthylalanin — die in menschlichen Proteinen überhaupt nicht vorkommt. Solche Elemente schützen das Molekül vor dem raschen Abbau durch Enzyme, sodass es im Körper lange genug überdauert, um zu wirken. Die Turiner Gruppe beschreibt GHRP-2 und Hexarelin als „Super-Analoga“ von GHRP-6: Verbindungen aus derselben Familie mit bewusst verstärkter Struktur. Es ist kein natürliches Molekül.

Was untersucht wurde — Zellen und Tiere

Tierstudien erklärten vor allem, woher der Anstieg des Stresshormons kommt. Bei wachen Ratten erhöhte intravenöses GHRP-2 (KP-102) den Spiegel von ACTH — dem Hypophysenhormon, das die Nebennieren zur Cortisolausschüttung anweist. Auf kultivierte Hypophysenzellen wirkte es jedoch nicht direkt, und ein Blocker von CRF (dem hypothalamischen „Corticotropin-releasing Factor“) hob den Effekt nahezu auf. Die Schlussfolgerung des Teams um Hirotani (2005): GHRP-2 aktiviert die Stressachse über den Hypothalamus, hauptsächlich durch die Freisetzung von CRF. Der Cortisolanstieg ist also keine zufällige Verunreinigung, sondern Teil des Wirkmechanismus.

Humandaten — Wachstumshormon und der diagnostische Test

Dies ist der stärkste Teil der Literatur. Bei sechs jungen Erwachsenen erzeugte eine einzelne intravenöse Dosis GHRP-2 einen starken GH-Puls, größer als nach GHRH und mit der Dosis zunehmend (Arvat et al., 1997). Auf dieser Eigenschaft wurde die diagnostische Anwendung aufgebaut: Wenn eine gesunde Hypophyse mit einem großen Puls antwortet und eine geschädigte mit einem kleinen, lässt sich ein Wachstumshormonmangel auf diese Weise erkennen. Die japanische KP-102-Gruppe (Chihara et al., 2007) prüfte dies an 77 gesunden Personen und 58 Patienten mit schwerem GH-Mangel: Nach einer intravenösen Dosis von 100 µg lag der GH-Gipfel bei Patienten im Mittel bei 1,4 µg/l und bei Gesunden bei 84,6 µg/l, der Test war reproduzierbar, und ein Grenzwert von 15 µg/l erkannte den Mangel mit hoher Zuverlässigkeit. Dies ist die einzige Anwendung von GHRP-2, die durch eine formale klinische Validierung gestützt wird — und es ist eine diagnostische Einzeldosis-Anwendung, keine Behandlung.

Die einzige längere Studie mit GHRP-2 in therapeutischer Absicht ist die Arbeit von Mericq et al. (1998): Sechs Kinder mit GH-Mangel erhielten acht Monate lang subkutan GHRP-2, in drei ansteigenden Dosen von jeweils zwei Monaten. Die nächtliche GH-Sekretion stieg mit der Dosis, doch der Effekt jeder Injektion war kurz und später in der Nacht fast verschwunden. Die Spiegel von IGF-I und IGFBP-3 — dem „bleibenden Fußabdruck“ der Wachstumshormonwirkung — stiegen nicht an. Die Wachstumsgeschwindigkeit war während der Behandlung höher als davor oder danach, und es wurden keine unerwünschten Wirkungen verzeichnet.

Humandaten — Appetit

Da GHRP-2 Ghrelin nachahmt, prüften Forscher, ob es wie Ghrelin die Nahrungsaufnahme steigert. In der Studie von Laferrère et al. (2005) erhielten sieben schlanke, gesunde Männer eine 270-minütige subkutane Infusion von GHRP-2 oder Kochsalzlösung, gefolgt von einer Buffetmahlzeit nach dem Prinzip „essen Sie, so viel Sie möchten“. Unter GHRP-2 aßen sie im Mittel 35,9 % mehr — jeder Einzelne von ihnen, ohne Ausnahme — während sich die Zusammensetzung der Mahlzeit nicht änderte. In einer anschließenden doppelblinden, randomisierten Studie (Laferrère et al., 2006) mit 19 Personen, darunter 9 mit Adipositas, erhöhte die niedrigere Dosis die Aufnahme um 10,2 % und die höhere um 33,5 % — der Effekt war also dosisabhängig, und Adipositas veränderte ihn nicht. Dies ist eine gut dokumentierte Tatsache: GHRP-2 erhöht die Menge an Nahrung, die Menschen essen.

Humandaten — Cortisol, Prolaktin und Schlaf

GHRP-2 ist nicht selektiv. In der Studie von Arvat et al. (1997) erhöhte es bei gesunden Erwachsenen nicht nur GH, sondern auch Prolaktin, ACTH und Cortisol. Der Prolaktinanstieg war kleiner als nach TRH (dem Hormon, das es „auf Abruf“ freisetzt), doch der Anstieg von ACTH und Cortisol war ähnlich wie nach hCRH — dem menschlichen Hormon, mit dem Ärzte die Stressachse in einem Nebennierentest gezielt stimulieren. Kurz gesagt: Eine Dosis GHRP-2 aktiviert die Stressachse in einem Ausmaß, das mit einem diagnostischen Test vergleichbar ist.

Die Wirkung auf den Schlaf wurde in einer Studie untersucht. Moreno-Reyes et al. (1998) verabreichten sieben jungen Männern nachts nach der dritten REM-Phase eine intravenöse Dosis GHRP-2 oder Placebo. Nach dem Peptid kam es zu einem kurzen Prolaktinanstieg und einem GH-Puls an der oberen Normgrenze, doch der Schlaf veränderte sich nicht — insbesondere gab es keine Zunahme des Tiefschlafs (der nach GHRH üblicherweise länger wird). Die einzige Beobachtung war eine statistisch nicht signifikante Tendenz zu mehr Wachphasen in der ersten Stunde nach der Injektion. Die Behauptung, GHRP-2 „verbessere den Schlaf“, hat in der Forschung also keine Stütze; über die Wirkung einer wochenlangen Anwendung auf den Schlaf ist nichts bekannt.

Sicherheit und die Grenzen der Evidenz

GHRP-2 ist kein zugelassenes Arzneimittel zur Behandlung irgendeiner Krankheit. Die einzige dokumentierte Anwendung beim Menschen ist ein diagnostischer Einzeldosis-Test. Alle oben beschriebenen Studien betreffen Einzeldosen oder kurze Beobachtungszeiträume bei einer Handvoll bis rund einem Dutzend Personen; die längste dauerte acht Monate bei sechs Kindern unter ärztlicher Aufsicht. Über die Sicherheit einer monatelangen Anwendung bei Erwachsenen ist praktisch nichts bekannt. Bekannt ist, dass jede Dosis Cortisol, Prolaktin und Appetit erhöht — und chronisch erhöhtes Cortisol ist für den Körper nicht harmlos. Wir nennen bewusst weder Anwendungsformen noch Dosierungen.

Der weitere Kontext — die GHRP-Familie

GHRP-2 gehört zur Gruppe der Substanzen, die auf den Ghrelin-Schalter wirken, neben GHRP-6 (dem ältesten und stärksten Appetitanreger), Hexarelin (mit einem ebenso starken GH-Puls, aber einer mit der Zeit nachlassenden Antwort) und Ipamorelin, das später genau deshalb entwickelt wurde, um Cortisol und Prolaktin nicht anzutasten. Eine eigene Gruppe bilden die GHRH-Analoga wie CJC-1295, die auf einen anderen Schalter wirken — in Studien wurden die beiden Gruppen gemeinsam gegeben, weil sich ihre Effekte addieren. In der Literatur fungiert die gesamte GHRP-Familie als Forschungs- und Diagnosewerkzeug, nicht als Arzneimittel.

Zusammenfassung

GHRP-2 ist ein synthetischer Ghrelin-Nachahmer aus der GHRP-Familie mit gut beschriebener Wirkung beim Menschen: Eine Einzeldosis erzeugt einen starken, kurzen Wachstumshormon-Puls, erhöht zugleich ACTH, Cortisol und Prolaktin und steigert die Nahrungsaufnahme um etwa ein Drittel. Seine einzige validierte Anwendung ist ein diagnostischer Einzeldosis-Test auf GH-Mangel; die einzige längere Studie (acht Monate bei sechs Kindern) zeigte keinen Anstieg von IGF-I. Evidenz für einen Nutzen einer Langzeitanwendung bei Erwachsenen existiert nicht, Evidenz für Nebenwirkungen nach jeder Dosis dagegen schon.

Quellen

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  • Moreno-Reyes R, Kerkhofs M, L'Hermite-Balériaux M, et al. Evidence against a role for the growth hormone-releasing peptide axis in human slow-wave sleep regulation. American Journal of Physiology. 1998;274(5):E779–E784. PMID: 9612233. DOI: 10.1152/ajpendo.1998.274.5.E779. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9612233
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  • Arvat E, di Vito L, Maccagno B, et al. Effects of GHRP-2 and hexarelin, two synthetic GH-releasing peptides, on GH, prolactin, ACTH and cortisol levels in man. Comparison with the effects of GHRH, TRH and hCRH. Peptides. 1997;18(6):885–891. PMID: 9285939. DOI: 10.1016/s0196-9781(97)00016-8. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9285939
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  • Hirotani C, Oki Y, Ukai K, et al. ACTH releasing activity of KP-102 (GHRP-2) in rats is mediated mainly by release of CRF. Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmacology. 2005;371(1):54–60. PMID: 15645295. DOI: 10.1007/s00210-004-1009-3. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15645295
  • Bowers CY. GH releasing peptides--structure and kinetics. Journal of Pediatric Endocrinology. 1993;6(1):21–31. PMID: 8374685. DOI: 10.1515/jpem.1993.6.1.21. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8374685

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