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Peptide · 8 Min. Lesezeit · von T.J.

KPV (Lys-Pro-Val) — das entzündungshemmende Tripeptid aus alpha-MSH in der Forschung

Überblick über die Forschung zu KPV: die letzten drei Aminosäuren des Hormons alpha-MSH, die in Mausmodellen Kolitis linderten. Wie es wirkt und warum es noch keine Humanstudien gibt.

KPV ist ein sehr kurzes Peptid — nur drei Aminosäuren: Lysin, Prolin und Valin (die Abkürzung leitet sich von ihren Einbuchstabensymbolen ab). Es wurde nicht im Labor von Grund auf erfunden: Es ist das „Endstück“ von alpha-MSH, einem natürlichen Hormon, das der Körper selbst herstellt. Seit den späten 1980er-Jahren wird es als Fragment untersucht, das die entzündungshemmende Wirkung des gesamten Hormons behält, die Haut aber nicht bräunt. In diesem Überblick erklären wir in einfachen Worten, was KPV ist, wie es wirken soll und wie stark die Evidenz ist. Und diese Evidenz — das muss vorweg gesagt werden — stammt ausschließlich aus Zell- und Mausstudien; es gibt keine veröffentlichte Studie, in der KPV Menschen verabreicht wurde.

Was KPV ist

Alpha-MSH ist ein Hormon aus 13 Aminosäuren, das vor allem dafür bekannt ist, die Pigmentproduktion in der Haut anzuregen. Es hat jedoch ein zweites Gesicht: Es unterdrückt Fieber und Entzündungen. 1989 prüften Hiltz und Lipton, ob diese zweite Funktion im äußersten Ende des Moleküls liegt — den letzten drei Aminosäuren (Positionen 11–13), also KPV. Bei Mäusen, deren Ohren mit einem Reizstoff zum Anschwellen gebracht worden waren, hemmte KPV die Schwellung umso stärker, je höher die Dosis war. Die Autoren schlossen daraus, dass dieses kleine Fragment eine „allgemeine entzündungshemmende Aktivität“ haben könnte. Die Übersichtsarbeit von Brzoska und Kollegen aus dem Jahr 2008 fasst diese Forschungslinie zusammen: KPV bewahrt die entzündungshemmende Wirkung von alpha-MSH, hat aber keine pigmentierende Wirkung — weshalb es als Alternative zum gesamten Hormon herausgegriffen wurde.

Wirkmechanismus — der NF-κB-„Schalter“ und der Transporter PepT1

In Immunzellen und Darmzellen gibt es einen „Hauptschalter“ für Entzündungen, ein Protein namens NF-κB. Wird er eingeschaltet, beginnt die Zelle, Entzündungssignale (Zytokine) zu produzieren. Dalmasso und Kollegen (2008) zeigten an menschlichen Darm- und Lymphozyten-Zelllinien, dass KPV in nanomolaren — also sehr niedrigen — Konzentrationen die Aktivierung von NF-κB und eines verwandten Signalwegs (MAP-Kinasen) hemmte und die Sekretion entzündlicher Zytokine verringerte. Sie entdeckten auch, wie KPV in die Zelle gelangt: über den Transporter PepT1, ein „Tor“ in der Zellmembran, das normalerweise kurze Peptide aus der Nahrung ins Zellinnere zieht. PepT1 findet sich vor allem im Dünndarm, doch bei einer Entzündung des Dickdarms nimmt seine Menge zu. Ein faszinierender Mechanismus: Ein entzündeter Darm hat mehr Tore, durch die KPV eintreten kann.

Wichtig ist, dass KPV offenbar anders wirkt als das gesamte Hormon. Getting und Kollegen (2003) verglichen es mit alpha-MSH in einem Mausmodell der Peritonitis. KPV verringerte den Einstrom entzündlicher Zellen, doch seine Wirkung wurde durch einen Melanocortin-Rezeptor-Antagonisten nicht blockiert, es erhöhte das intrazelluläre cAMP (das typische Signal dieser Rezeptoren) nicht und wirkte auch bei Mäusen mit nicht funktionsfähigem MC1-Rezeptor. Die Schlussfolgerung der Autoren: KPV vermittelt seine Effekte „wahrscheinlich nicht über Melanocortin-Rezeptoren“ und wirkt eher durch Hemmung der Funktionen von Interleukin-1β. Kannengiesser und Kollegen (2008) kamen bei Kolitis zu einem ähnlichen Schluss — der Effekt war „zumindest teilweise unabhängig“ vom MC1-Rezeptor.

Struktur und Herkunft

KPV ist ein Tripeptid, eine Kette aus drei Aminosäuren: Lysin–Prolin–Valin. Es ist ein natürliches Fragment (alpha-MSH wird im Körper aus einem größeren Vorläuferprotein gebildet), doch die Forschung verwendet eine synthetische Version. Die Autoren der Übersichtsarbeit von 2008 betonen, dass die einfache Struktur eine leichte und kostengünstige Herstellung bedeutet; sie beschreiben außerdem ein verwandtes Tripeptid, KdPT, das einem Fragment von Interleukin-1β entspricht und zum selben Zweck untersucht wird.

Was untersucht wurde — Zellen und Tiere

Kolitis (Mäuse). Das ist die am besten dokumentierte Richtung. Dalmasso und Kollegen (2008) gaben Mäusen mit Kolitis, die auf zwei verschiedene Arten (DSS und TNBS) ausgelöst worden war, KPV im Trinkwasser; KPV verringerte die Häufigkeit der Kolitis und die Expression proinflammatorischer Zytokine. Kannengiesser und Kollegen (2008) verwendeten zwei weitere Modelle: Bei DSS-Kolitis erholten sich die behandelten Mäuse früher und nahmen deutlicher wieder an Körpergewicht zu, und das Darmgewebe zeigte weniger entzündliche Infiltrate und eine geringere Myeloperoxidase-Aktivität (ein Enzym entzündlicher Zellen); bei der sogenannten Transfer-Kolitis (ausgelöst durch Transplantation von Lymphozyten) führte KPV ebenfalls zur Erholung. Bei Mäusen mit nicht funktionsfähigem MC1-Rezeptor bewahrte KPV alle Tiere der Behandlungsgruppe vor dem Tod während der Kolitis. Viennois und Kollegen (2016) fügten das fehlende Puzzleteil hinzu: Bei Mäusen ohne den Transporter PepT1 verhinderte KPV die kolitisassoziierte Tumorbildung nicht, bei gewöhnlichen Mäusen dagegen schon. Mit anderen Worten: kein PepT1-Tor, kein Effekt. PepT1 war in menschlichen Biopsien kolorektaler Tumoren deutlich erhöht — doch das ist eine Gewebebeobachtung, keine Studie zur Gabe von KPV an Menschen.

Andere Entzündungsmodelle. Getting und Kollegen (2003) wiesen eine Aktivität von KPV bei Peritonitis der Maus nach, die durch Kristalle und durch Interleukin-1β ausgelöst wurde. Schaible und Kollegen (2013) gaben Mäusen 30 Minuten nach einer experimentellen Hirnverletzung eine Einzeldosis KPV (1 mg/kg intraperitoneal): Die Fläche des Sekundärschadens war erheblich kleiner, die Mikroglia (die Immunzellen des Gehirns) weniger aktiviert, und weniger Neuronen starben durch Apoptose. Interessanterweise sanken die Spiegel der Zytokine TNF-α und IL-1β nicht — der Effekt war also kein einfaches „Abschalten“ der Entzündung.

Mikroorganismen (in vitro). Cutuli und Kollegen (2000) prüften alpha-MSH und KPV gegen zwei typische Erreger: Staphylococcus aureus und den Hefepilz Candida albicans. Die Peptide hemmten die Koloniebildung des Staphylokokkus und verringerten die Lebensfähigkeit des Hefepilzes über einen breiten Konzentrationsbereich, einschließlich sehr niedriger (pikomolarer) Konzentrationen, und schwächten die Abtötung von Mikroorganismen durch menschliche Neutrophile nicht — wenn überhaupt, verstärkten sie sie. Das war eine Reagenzglasstudie, keine Studie an Menschen.

Haut. Das erste Experiment von 1989 betraf die Haut (Ohrschwellung), und die Übersichtsarbeit von 2008 nennt entzündliche Hauterkrankungen als mögliche Anwendung der Tripeptide. Wir fanden jedoch keine Studie, in der KPV Menschen mit einer Hauterkrankung verabreicht wurde.

Keine Humanstudien — was das bedeutet

Wir haben PubMed nach den Bezeichnungen „KPV“, „Lys-Pro-Val“ und „alpha-MSH 11-13“ in Kombination mit Begriffen für klinische Studien sowie das Register ClinicalTrials.gov durchsucht. Das Ergebnis: null Studien, in denen KPV Menschen verabreicht wurde — weder gesunden Freiwilligen noch Patienten. Die einzigen „menschlichen“ Daten sind Experimente an menschlichen Zellen im Labor (Darm-Zelllinien, Lymphozyten, Neutrophile) und die oben erwähnte PepT1-Beobachtung in Tumorbiopsien. KPV ist in keinem Land ein zugelassenes Arzneimittel. Es ist also unbekannt, ob es aus dem menschlichen Darm in nennenswerter Menge aufgenommen wird, wie lange es wirkt, ob es bei längerer Anwendung sicher ist oder ob es den Verlauf irgendeiner Erkrankung überhaupt beeinflusst. Viele Substanzen, die in Maus-Kolitismodellen wirkten, versagten bei Patienten.

Sicherheit und die Grenzen der Evidenz

Alle Wirksamkeitsdaten stammen aus Zellen und Nagetieren. Bemerkenswert ist, dass verschiedene Studien KPV auf unterschiedlichen Wegen verabreichten — oral im Trinkwasser (Dalmasso 2008) oder intraperitoneal (Getting 2003, Schaible 2013) — und bei jedem ein Effekt zu sehen war. Keine Studie verglich diese Wege direkt miteinander, sodass die Ansicht, der orale Weg sei für den Darm „besser“, weil er den Transporter PepT1 nutzt, eine aus dem Mechanismus abgeleitete Hypothese bleibt, keine geprüfte Tatsache. Nicht jeder Entzündungsparameter sprach auf KPV an: In Gettings Arbeit hemmte es die Zytokinfreisetzung durch Makrophagen nicht, und im Hirnverletzungsmodell senkte es TNF-α und IL-1β nicht. Theoretisch könnte eine Substanz, die NF-κB hemmt, die angeborene Immunität während einer Infektion schwächen; Cutulis Daten deuten eher auf eine antimikrobielle Wirkung hin, aber nur in vitro. Über die Sicherheit beim Menschen ist nichts bekannt. Wir geben bewusst keine Anwendungsmethoden und keine Dosierungen an.

Der weitere Kontext — Melanocortine

KPV gehört zur Welt der Melanocortine — einer Familie von Peptiden, die sich von alpha-MSH und verwandten Hormonen ableiten. Andere Verbindungen dieser Familie, die in unserer Wissensdatenbank beschrieben sind, wirken genau entgegengesetzt zu KPV, nämlich über Melanocortin-Rezeptoren: Melanotan II (Hautpigmentierung) und PT-141, also Bremelanotid (Sexualfunktion). KPV ist gerade deshalb interessant, weil es als das Fragment „ohne Bräune“ untersucht wurde — mit erhaltener entzündungshemmender Wirkung und ohne Einfluss auf das Pigment. Wie ein anderes Tripeptid aus der Enzyklopädie, Glutathion, zeigt es, dass selbst drei Aminosäuren ihre eigene, eigenständige Biologie haben können.

Zusammenfassung

KPV sind die letzten drei Aminosäuren des Hormons alpha-MSH. In Zellstudien hemmt es in nanomolaren Konzentrationen den Entzündungs-„Schalter“ NF-κB und gelangt über den Transporter PepT1 in die Zellen, von dem es in einem entzündeten Darm mehr gibt. Bei Mäusen linderte es Kolitis in mehreren unabhängigen Modellen, verringerte Hirnschäden nach einer Verletzung und hemmte im Reagenzglas Staphylokokken und Candida. Es scheint anders zu wirken als das gesamte Hormon — wahrscheinlich nicht über Melanocortin-Rezeptoren. Zugleich existiert keine Studie am Menschen, sodass Wirksamkeit und Sicherheit von KPV beim Menschen unbekannt bleiben und alles, was darüber bekannt ist, präklinisch ist.

Quellen

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  • Dalmasso G, Charrier-Hisamuddin L, Nguyen HT, Yan Y, Sitaraman S, Merlin D. PepT1-mediated tripeptide KPV uptake reduces intestinal inflammation. Gastroenterology. 2008;134(1):166–178. PMID: 18061177. DOI: 10.1053/j.gastro.2007.10.026. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18061177
  • Kannengiesser K, Maaser C, Heidemann J, Luegering A, Ross M, Brzoska T, Bohm M, Luger TA, Domschke W, Kucharzik T. Melanocortin-derived tripeptide KPV has anti-inflammatory potential in murine models of inflammatory bowel disease. Inflammatory Bowel Diseases. 2008;14(3):324–331. PMID: 18092346. DOI: 10.1002/ibd.20334. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18092346
  • Viennois E, Ingersoll SA, Ayyadurai S, Zhao Y, Wang L, Zhang M, Han MK, Garg P, Xiao B, Merlin D. Critical role of PepT1 in promoting colitis-associated cancer and therapeutic benefits of the anti-inflammatory PepT1-mediated tripeptide KPV in a murine model. Cellular and Molecular Gastroenterology and Hepatology. 2016;2(3):340–357. PMID: 27458604. DOI: 10.1016/j.jcmgh.2016.01.006. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27458604
  • Hiltz ME, Lipton JM. Antiinflammatory activity of a COOH-terminal fragment of the neuropeptide alpha-MSH. FASEB Journal. 1989;3(11):2282–2284. PMID: 2550304. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2550304
  • Getting SJ, Schiöth HB, Perretti M. Dissection of the anti-inflammatory effect of the core and C-terminal (KPV) alpha-melanocyte-stimulating hormone peptides. Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics. 2003;306(2):631–637. PMID: 12750433. DOI: 10.1124/jpet.103.051623. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12750433
  • Cutuli M, Cristiani S, Lipton JM, Catania A. Antimicrobial effects of alpha-MSH peptides. Journal of Leukocyte Biology. 2000;67(2):233–239. PMID: 10670585. DOI: 10.1002/jlb.67.2.233. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10670585
  • Schaible EV, Steinsträßer A, Jahn-Eimermacher A, Luh C, Sebastiani A, Kornes F, Pieter D, Schäfer MK, Engelhard K, Thal SC. Single administration of tripeptide α-MSH(11-13) attenuates brain damage by reduced inflammation and apoptosis after experimental traumatic brain injury in mice. PLoS One. 2013;8(8):e71056. PMID: 23940690. DOI: 10.1371/journal.pone.0071056. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23940690

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